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Feldmessen auf hoher See

 

Am zweiten Tag auf See sind wir bis in die Nacht hinein gesegelt. Während es langsam dunkler wurde, herrschte hinter und neben uns ein heftiges Gewitter. Über uns war es ruhig, doch rundherum sah man überall Blitze in den Wolken. Weit hinter uns konnten wir das Segel der Opi Imagon sehen, es war kurz vor der dunklen, blitzenden Wolkenwand. Der Wind wurde jetzt immer stärker und es war inzwischen so dunkel, dass wir von der Imagon nur noch die Lichter gesehen haben. Nach dem Abendessen, das sehr chaotisch war, weil alles vom Tisch geflogen ist wegen der Schräglage, mussten wir die Segel bergen, was sehr schwer war bei dem Wind. Als das endlich geschafft war und wir mit Motor weiterfuhren, waren wir immer noch in der Gefahr auf die Felsen getrieben zu werden. Mit Suchscheinwerfern mussten wir die Küste ableuchten. Als wir dann endlich in der Bucht waren, wollten wir nur noch schlafen gehen. Ca. 1 Stunde später traf endlich auch die Imagon in der Bucht ein.

 

 

Wir fuhren am 3. Tag aus der Prematura-Bucht los. Es war starke Bora angesagt.....Wir sollten uns gut und warm anziehen, außerdem wurden Schwimmwesten und Gurte verteilt. Wir fuhren noch mit Motor aus der Bucht auf die davorliegenden Inseln zu. Zwischen den Inseln kam dann der Befehl:“Segel hoch!“ Wir folgten dem Befehl. Als die Segel oben waren, beugte sich das Schiff auf die rechte Seite und begann Fahrt aufzunehmen. Es beugte sich soweit auf die rechte Seite, dass man nicht mehr stehen, aber dafür rutschen konnte. Ich ging dann unter Deck. Gerrit stand am Steuer. Auf einmal kam eine Bö auf und die Antina legte sich 90° auf die Seite. Alles, was auf dem Tisch lag, rutschte runter, Schubladen gingen auf und ich stand nicht mehr auf der Treppe, sondern an der Seite. Ich guckte aus der Einstiegsluke in Richtung Steuerrad, wo Gerrit nur noch so dran hing. Nun bequemte sich auch der Skipper und sagte:“Ich übernehme mal kurz.“ Die Bö flaute ab und das Schiff ging in die bequeme Schrecklage von nur 70° zurück.

 

(Anmerkung: Die Grad-Angaben sind nicht ganz wörtlich zu nehmen!)

 

Mein schönstes Erlebnis war, als ich mit Anika vorne auf dem Bug stand und die Wellen ganz hoch waren. ...... Die ganze Fahrt war insgesamt einfach toll.

 

 

Mein schönstes Erlebnis war, als ich am 3. Tag in der schweren Bora (Nord-Ost-Wind) auf der Anhöhung des Schiffes in den Seilen hing (ohne Anschnallgurt) und nach Schiffen Ausschau hielt....

 

Als wir auf der Rückreise waren, haben wir nocheinmal in der Prematura-Bucht übernachtet. Am nächsten Tag sagte uns Bastie, dass es dort Klippen gäbe, wo man runterspringen könne. Niko und ich sind mit Bastie vorgegangen, um von den Klippen zu springen. Erst hatte ich schon Schiss, weil es nämlich 12 m waren, die ich zu bestehen hatte. Erst traute ich mich nicht, aber dann sprang ich doch. Es war, als wäre mir der Magen in die Hose gerutscht.

Es war ein geiles Gefühl.

 

Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es mein schönstes Klassenfahrtserlebnis war, aber mit Sicherheit das aufregendste, als die Bora kam. Man kann sogar sagen, dass ich total Angst hatte und mich sogar von den Karabinerhaken losgemacht habe, wenn es eine gewaltige Schräglage gab, damit ich leichter wegschwimmen könnte ( falls das Boot umgekippt wäre)!

Niemand hatte noch am Tag zuvor (19. Mai/Montag) daran geglaubt, dass diese Fahrt spannend werden würde. Es war total heiß und windstill. Alle lagen auf dem Deck irgendwo rum, während wir mit 0,0 – 0,8 Knoten über das Meer schipperten. Jeder fand’s langweilig und sinnlos mit Segel zu fahren, wenn kein Lüftchen weht. Die Jungs (der lauteste war G.) meckerten Sebastian, unseren Skipper, an, wenn sie Skipper auf diesem Boot wären, würden sie den Motor anmachen! Doch Sebastian fand’s mit Segeln besser zu fahren und ließ sich davon auch nicht abbringen. Nachdem wir aber einfach nicht weiterkamen, gab er dann doch noch nach. Das war also unser erster Tag auf See: langweilig und zu heiß!

J., der auf der Opi Imagon war, meinte, es würde nächsten Tag eine Bora geben. Aber der erzählt viel, wenn der Tag lang ist. (Nun gut, er hatte ja recht!)

Nächsten Tag regnete es, als wir in Porec waren. Nachdem wir alle Geld gewechselt, eine kleine Führung mitgemacht und gegessen hatten, waren wir alle plitschenass! Der Himmel war zugezogen und es war kalt. Wir alle waren dick angezogen. Es war ein völlig anderer Tag als am Montag. Wieder auf dem Boot, mussten wir die Segel setzen, was die Jungs am besten konnten. Wir Mädchen konnten dafür wunderbar beim Bergen die Segel festbinden (was aber auch jeder Idiot könnte).

Wir konnten sehen, dass schon jemand auf der Opi eine Rettungsweste trug.Klar, war J. (wer auch sonst!?). Kurz schon nach dem Segelsetzen bekamen wir auf der Antina eine mächtige Schräglage. Man hörte, wie es unter Deck krachte (man hatte wohl vergessen, alle Schränke richtig zuzumachen). Trotz dieser Schräglage machten wir unsere täglichen Arbeiten weiter: Steuern, Wartung, Essen machen und Logbuch führen (wobei die beiden letzteren immer unter Deck stattfanden, dumm für die Gruppe, die dran war, denn unter Deck wurde einem immer als erstes schlecht). Beim Essen war es schwer, die Teller zum Tisch zu bringen, ohne dass sie runterfallen, oder das Essen zu transportieren ohne dass es überschwappt. Man musste auch sonst aufpassen, dass man nicht gegen die Wände knallte und über den Boden von Backbord nach Steuerbord rutschte.

Am Nachmittag sollten dann alle Rettungswesten und Karabinergurte für sich suchen. Diese waren alle unter den Kojen von den Mädchen. Unsere Kajüte war sehr eng, deswegen gab’s eine ziemliche Hektik, weil jeder sofort eine passende haben wollte. Dazu kam noch, dass allen unter Deck in 5 Sekunden kotzübel wurde, wenn man stand, und man so schnell wie möglich wieder nach oben wollte. Jedenfalls alle außer M.: Während fast alle in Hektik gerieten, saß sie auf unserem „Bett“ und schrieb seelenruhig Postkarten.

Als wir dann endlich alle (außer A., den diese paar Wellen wohl nicht aus der Ruhe zu bringen schienen) eine Rettungsweste hatten, setzten wir uns auf die Bank (oder was es auch immer war) hinter dem Steuer. Dort wurde einem jedenfalls nicht übel. Es war lustig zu sehen, wie Frau Lohmann die Leute hielt, die am Steuer waren: Sie band sie fest und hielt sie mit eigenen Händen an den Seilen.

Es kam mir komisch vor: während ich mir ernsthafte Sorgen machte, ob wir lebend zur Insel Susak gelangen würden, schien das Sebastian kein bisschen zu beunruhigen. Er hatte wohl schon Schlimmeres erlebt.

Während wir Mädchen auf der Bank saßen, sahen wir, wie komisch man eigentlich mit der Rettungsweste aussieht. Besonders bei den Jungs sahen die Beingurte („Strapse“) ziemlich komisch aus (v.a. bei N. und P.), wenn sie zu eng gezogen wurden.

Auf jeden Fall war dieser Tag der spannenste von allen, die danach kamen. Jeder hoffte, dass nochmal eine Bora käme. Aber leider kam danach nur noch schönes Wetter!

Jetzt, wo wir wieder zu Hause sind, kann ich sagen, dass es gar nicht so schlimm war an jenem Tag, wie es mir damals schien. Aber das liegt daran, dass ich noch lebe! (Ich übertreibe gern ein wenig.)

 

 

Ich hatte eigentlich kein Erlebnis, das ich als „das schönste“ beschreiben würde! Ich fand die Fahrt insgesmt sehr schön, z.B. wenn man einfach nur auf dem Schiff saß, gefahren ist und sich das Meer angesehen hat.......

 

 

.....Es gibt so viele kleine Sachen, die mir gut gefallen haben....Das Halli-Galli-Spielen im Gemeinschaftsraum, wobei wir die Jungs mit unserem Geschrei genervt haben. Oder wenn bestimmte Leute Kochdienst hatten und mal wieder die Hölle los war, weil irgend etwas nicht klappte, das war immer wieder nett mitanzusehen..... Das Segeln war auch gut. Die ersten Tage war es so, wenn man Landgang hatte, so hat man dort selbst geschaukelt und ich wollte nach einer halben Stunde wieder aufs Schiff.....Als wir vor unserer Vermessungsinsel lagen, hat mir am besten gefallen, dass man, wenn morgens alles erledigt war, zur Insel rüberschwimmen konnte, was eine Art Duschersatz war. Auch in den Pausen zwischen den Messungen sind wir immer gleich ins Wasser gehüpft......Ich werde auch nie vergessen , wie H. war, wenn sie gesteuert hat. Manchmal stand sie da echt 2 Stunden und war kaum ansprechbar.....

 

 

Die ganze Fahrt hat Spaß gemacht und war ein tolles Erlebnis. Ich weiß noch, als ich mich während der Fahrt nach Venedig auf der Opi Imagon ganz vorne auf den Bug gesetzt habe. Ich habe die Beine übers Boot hängen lassen und wenn eine sehr große Welle gegen das Boot schlug, bekam ich sogar ein paar Tropfen ab. Ich habe aufs Wasser geguckt, es war weit und breit kein Land zu sehen, und irgendwie habe ich mich total frei gefühlt. Obwohl man natürlich eigentlich total eingesperrt ist, weil man nicht ohne weiteres weglaufen kann.......Was mir immer total Spaß gemacht hat, war das Schwimmen, besonders im Dunkeln.

 

 

Die Bora war mein schönstes Erlebnis. Ich musste den Gurt zum Festhaken und die Schwimmweste anziehen (meine stank nach Kotze). Dann bin ich vorne zum Bug gegangen und habe mich festgehakt. Das Schiff ist hoch und runter und die Reling versank im Wasser, weil wir so eine „Schreck“lage hatten.

 

 

Mein schönstes Erlebnis war die Schräglage an Bord der Antina....Alle Bullaugen auf der rechten Seite waren unter Wasser. Ich versuchte zum Deck hochzukommen, aber es war gar nicht so leicht. Als ich oben war, spritzte das Wasser hoch und der Eingang nach unten war ganz nass. Auch hier auf Deck musste man sich festhalten, wenn man nicht über Bord gehen wollte. Dann nach ungefähr 10 Minuten war es vorbei.

 

 

Ich kann gar nicht sagen, welches mein schönstes Erlebnis war. Die gesamte Fahrt war für mich toll. Ich könnte von der Hinfahrt anfangen und bei der Rückfahrt aufhören. Ich könnte über das Steuern schreiben. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Als ich das erste mal gesteuert habe, war das total komisch. Du hast dieses Steuer in der Hand und steuerst ein ganzes Schiff. Naja, sagen wir mal ein Boot Ich stand sehr gerne am Steuer und musste zuerst auf einen Gegenstand (Insel, Leuchtturm etc.) zusteuern. Als ich dann nach dem Kompass fahren musste, klappte das überhaupt nicht. Ich fuhr immer total in eine andere Richtung. Erst bei der Überfahrt nach Venedig habe ich ein Gefühl dafür gekriegt und konnte auch nach Kompass steuern und den Kurs halten. Ich stand eigentlich die ganze Fahrt nach Venedig am Steuer. Am Anfang konnte man noch die Umrisse von Inseln erkennen. Dann aber war nur noch das offene, weite Meer um einen. Auf dieser Fahrt haben wir auch ganz viele Delphine gesehen, die neben unserem Boot kurze Zeit entlang geschwommen sind.

 

 

Es gab viele schöne Momente auf der Tour, eigentlich war die ganze Fahrt schön. Es war schön abends unter dem tollen Sternenhimmel beim Schaukeln des Bootes einzuschafen und, wenn man Glück hatte, noch eine Sternschnuppe zu sehen. Das Meer um dich herum war auch toll. Erstens konnte man fast immer hineinspringen, wenn man wollte, was bei der Hitze echt toll war. Und zweitens: sich einfach nur den Horizont am Meer anschauen ist schon ein Gefühl von Freiheit.

 

Mein schönstes Erlebnis war gleichzeitig auch mein schlimmstes Erlebnis, nämlich die Bora.

Es fing alles am 3. Tag unseres Feldmesspraktikums an und eigentlich konnte keiner so recht glauben, was wir vom Funkgerät an Bord hören konnten. Es sollte der krasse Gegensatz zu gestern werden. Nämlich stürmisch und regnerisch. Doch irgendwie freuten sich alle – besonders die Jungs – auf den großen Sturm, der kommen sollte. Komisch, irgendwie schien ich wohl die einzige zu sein , die happy war, wenn wir mit 0,0 Knoten übers Meer schipperten...

Naja, jedenfalls, als es so langsam begann zu regnen und zu stürmen, sollten wir alle sofort unsere Rettungswesten anziehen und uns Karabinergürtel umschnallen. Aber bis jeder eine passende Weste hatte, vergingen Ewigkeiten. Alle schienen in Hektik und waren aufgeregt Sie freuten sich ja wirklich. Aber mir war sofort klar, dass ich bei dem Sturm unter Deck bleiben würde. Und so suchte ich mir eine Weste aus, mit einem Karabinergürtel, aber zog sie natürlich nicht an. Ich wollte ja nicht den Eindruck erwecken, ich wolle bei diesem Sturm über Deck sein. Ich würde höchstens im äußersten Notfall hochgehen, z.B. wenn das Boot umkippte. Also saß ich kleiner Schisshase in unserer Kajüte und schrieb haufenweise Postkarten an alle, die ich kannte, denn ich war der festen Überzeugung, dass eine Postkarte, falls wir diesen Sturm nicht überleben sollten, wohl mein letztes Lebenszeichen sein dürfte.

Na toll! Dachte ich, so habe ich mir meinen Tod immer gewünscht. Qualvoll ertrinken mit meinen Freunden – was Schöneres kann man sich nicht vorstellen.....

Ab und zu kamen die anderen 3 Mädels aufgeregt und mit roten Bäckchen zu mir und berichteten mir begeistert, dass alles ja gar nicht so schlimm sei und ich doch rauskommen solle. Ja sicher! Ich und rauskommen? Niemals!

Aber es kam, wie es kommen musste. Irgendwann machte sich mein Magen bemerkbar. Leider half auch kein homöopathisches Zeug und Schnaps (*) gegen meine Übelkeit. Am Abend, als wir in einer windgeschützten Bucht ankerten, erklärte uns unser Skipper Sebastian, dass man bei Übelkeit doch lieber an Deck achtern (hinten beim Schiff) sitzen sollte. Nun gut, das probierte ich dann am nächsten Tag aus, denn es war noch schlimmer als tagszuvor. Wir kriegten wieder wahnsinnige Schräglage und Sturm. Ich klammerte mich fest, ganz, ganz fest an die Reling hinten und ertappte mich doch tatsächlich dabei, wie ich andauernd eingeschlafen bin. Hätte jemand geschrien „Alle über Bord!“ hätte ich weitergeschlafen. Aber meinen Karabinerhaken habe ich nie an der Reling festgehakt, denn es könnte ja sein, dass das Schiff umkippt, und dann könnte ich sofort wegschwimmen.

Na ja, aber was ich aus der Sache gelernt habe ist, dass es gar nicht so schlimm war, wie es zuerst schien, und dass ich beim nächsten Sturm sofort über Deck bin. Und wenn ich länger darüber nachdenke, möchte ich es unbedingt noch mal erleben, denn danach ist man kein kleiner Schisshase mehr, sondern stärker und sicherer. Da bin ich mir ganz sicher.

 

Meike Reich - eine Schülerin

 

(*)Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: es handelte sich bei dem Schnaps um 3-5 Rescue-Tropfen ! H.L.

 

Eine unvergessliche Feldmessfahrt

 

Entgegen allen Gewohnheiten der anderen Waldorfschulen haben wir uns in Sorsum speziell für die jetzige 10. Klasse entschieden, das Feldmessen kombiniert mit einem Segeltörn zu unternehmen, sozusagen „Feldmessen auf hoher See“. Um diesen Widerspruch hier gleich zu lösen: jeweils drei Tage segelten wir hin und zurück und vermaßen in den mittleren drei Tagen Teile einer Insel südlich von Istrien in der Adria. Natürlich ergaben sich zu allen Fertigkeiten, die wir uns im Segeln erwerben mussten, auch Standortbestimmungen auf dem Meer und das Zeichnen von Seekarten.

Die ganze 13-tägige Unternehmung wurde noch gewürzt durch kleine aber gezielte kulturelle Anregungen bei Besichtigungen der großen und kleinen Römer- bzw. Venezianer-Städte an der istrischen Küste: u.a. Pula, Rovinj – und schließlich legten wir am Schluss nach längerer Überfahrt an der Mole von Venedig an.

Aber auc die teilweise verlassene alte Kulturinsel Susak als unser Landvermessungsgebiet bot kulturelle und leider auch politische Anregungen (Bürgerkrieg bis vor 10 Jahren im auseinanderfallenden Jugoslawien).

Die Schiffe gehören dem gemeinnützigen Verein Imagon, in dem maßgeblich ein ehemaliger Waldorflehrer aus Prien/Chiemsee wirkt, der schon viele Segel- und andere Touren im Sinne einer Erlebnispädagogik unternommen hat.

„Feldmessen“ war allerdings auch für ihn neu.

Auf jedem Schiff waren 9 – 10 Schülerinnen und Schüler untergebracht. Die Skipper, hauptverantwortlich auf hoher See, an den Küsten und in den Häfen, waren junge ehemalige Waldorfschüler aus Prien, die mit 19 bzw. 26 Jahren schon eine reiche Erfahrung im Segeln mit Gruppen gesammelt hatten. Sie waren unser aller anerkannte Autoritäten, so wie es Herr Entter auf dem Gebiet des Messens war und Herr Lohmann bei Fragen der Kultur und Geschichte. In Ersatz für Frau Nemtanu als mittlerweile mütterliche Klassenbetreuerin erklärte sich zur Rettung des Unternehmens im letzten Augenblick Frau Lohmann bereit, den weiblichen Lehrerpart zu übernehmen. So verteilten auch wir Lehrer uns auf beide Schiffe.

Am liebsten schliefen die meisten Schüler allerdings an Deck unter dem herrlichen Sternenhimmel und über dem glasklaren Wasser.

Segelsetzen und –bergen, Steuern, Bootsarbeiten verschiedener Art und natürlich alle mit Essen versorgen waren – neben dem Logbuchführen - die Aufgaben der kleinen Dreiergruppen, deren Zusammensetzung ausgelost wurde.

Schwimmen und vor allem Springen von bis zu 15 m hohen Felsen gehörten zum freiwilligen Programm.

Und dann brachten uns Wind und Wetter, hohe Wellen, Regen, Kälte und Gewitter gehörige Herausforderungen. Aber die Schüler waren erstaunlich seefest, sehr zuverlässig und z.T. ..... echt stark!

 

Cornelius Lohmann - Oberstufenlehrer

 

 

Feldmessen auf hoher See - geht das?

 

Die jetzige 10.Klasse der FWS Sorsum ist eine besondere Klasse. Sie ist phlegmatisch, arbeitsam, aber nicht sehr gesprächsfreudig. Einige Schüler sind bereits auf andere Schulen übergewechselt, wie das so ist, wenn eine Schule noch kein Abitur bewältigt hat und - in dieser Klasse gibt es eine starke Trennung in eine Jungen- und Mädchen-Fraktion.

Deshalb drängte es sich auf, mit dieser Klasse einmal einen anderen Weg einzuschlagen, als es darum ging das Ziel der Feldmessepoche zu finden.

Auf Grund glücklicher Umstände gab es eine Verbindung zu den Booten des Vereins Imagon e.V., die sich auf Fahrten mit Jugendliche spezialisiert haben.

Schnell war die Begeisterung groß, als es hieß, die Epoche in Kroatien auf zwei Segelyachten durch zu führen. Die auftretenden Schwierigkeiten konnten gemeistert werden.

Das Ziel einer solchen Epoche ist es, eine Landschaft, möglichst eine schöne Landschaft zu erleben und dann in eine Karte zu abstrahieren, die einen bestimmten menschlichen Zweck erfüllt. Dabei sollen auch Geräte genützt werden, die der Mensch zu diesem Zweck erfunden hat. Wie soll man das auf einem Segelboot erreichen?

Auf Grund der sehr begrenzten Gepäckraumsituation sowohl während der Anreise mit dem Zug und dem Bus und dann vor allem während der Fahrt auf den beiden Booten, war es notwendig, auf die Mitnahme von Theodoliten, Nivelliergeräten und Fluchtstangen zu verzichten.

Darum gestalteten sich die Schwerpunkte der Epoche ganz neu. Im Vordergrund natürlich und alles bestimmend war das, was Wind und Welle von der Klasse abverlangten. Ich war noch nie mit einer 10. Klasse auf Fahrt, die um 23 Uhr müde auf den Planken lag und bis zum Wecken um 7 Uhr schlief.

Die Arbeit in den ersten vier Tagen war so eingeteilt, dass eine der drei Gruppen jeweils für 90 Minuten am Steuer stand. Die zweite zeichnete den aktuellen Teil der Seekarte ab und bestimmte mit dem Peilkompass mit „Kreuzpeilungen“ und „Doppelpeilungen“ alle 20 Minuten den augenblicklichen Ort des Bootes an Hand von Leuchtfeuern, Kirchtürmen und Landzungen und zeichnete ihn in die Seekarte ein. Die dritte Gruppe war mit Wartungsarbeiten, Essenkochen und - wenn nötig- Segelmanövern beschäftigt oder für gewisse Minuten eben auch nicht.

 

Die Nächte verbrachten wir immer in meist abgelegenen Buchten.

Außerdem bot es sich geradezu an mit Hilfe von Quadranten und Sextanten, wofür es sehr brauchbare Pappmodelle bei der Firma „Astromedia“ gibt, den Stand der Sonne und des Polarsternes zu vermessen und über „Mittagsbreite“, Höhe des Polarsternes und

Genauer Uhrzeit den tatsächlichen Standort auf der Erde auf zehntel Grad genau zu bestimmen.

Nach vier Nächten an Bord erreichten wir am Nachmittag die Insel Susak. Dort hatte ich mir auf der Seekarte ein geeignetes Gelände ausgesucht. Bei ziemlicher Hitze machten wir dort eine Geländebegehung. Für das Vermessungsnetz hatte ich markierte Stofffähnchen an 80 cm lange Drahtstücken dabei, die wir dabei über das Gelände verteilten. Es war ein ca. 20 m hoch gelegenes verlassenes Gartengelände, das auf beiden Seiten steil zum Meer abfiel. Von der Größe her war es ca. 12 ha groß.

Die nächsten zwei Tage waren wir damit beschäftig, diese Gelände mit Kompass und Schritt zu vermessen. Am Abend entstand dann als Grundlage der Karte das Vermessungsnetz im Maßstab 1:1000. Am dritten Tag nahmen zwei Gruppen vormittags mit GPS-Geräten den Verlauf der Küstenlinie des Ostteiles der Insel auf, was einen Weg von ca. 5000 m entsprach. Die anderen vier Gruppen führten wiederum mit Kompass und Schritt die „Kleinvermessung“ durch. Sie zeichneten Karten von ihrem Auftrag. In zwei Schichten, weil es auf beiden Booten nur drei Tische gab, wurde von jedem Schüler eine Karte

30 cm x 40 cm groß gezeichnet.

Am nächsten Tag traten wir die Rückreise mit ähnlichen Aufgaben wie die Hinreise an. Als neuer Schwerpunkt kamen Entfernungsmessungen zwischen Boot und Küste mit Hilfe der „Versegelung“ hinzu.

Und was noch hinzu kam, waren die Stadtbesichtigungen von Pula, Rovinj und Venedig jeweils am späten Nachmittag.

 

Wenn man diese Fahrt zum Schlusse bewerten müsste, könnte man sagen: Es war eine gelungene Fahrt, die Begeisterung weckte und Lust auf weitere macht.

 

Franz Entter - Lehrer