

Brasil09 ist
offizielles Projekt der Unesco „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ !

Am 21. September wird Brasil09 im Rahmen einer zentralen
Veranstaltung in Kiel durch den Vorsitzenden des
Deutschen Nationalkomitees der UNESCO, Prof. Gerhard de Haan, die Ernennungsurkunde
und ein Banner mit dem UNESCO-Logo überreicht bekommen.
Damit ist das Schülerprojekt der Freien Waldorfschule
Sorsum als offizielles Projekt der weltweiten UN-Dekade der Vereinten Nationen
anerkannt und ist Teil des nationalen Aktionsplans zur Bildung für nachhaltige
Entwicklung!
Die Auszeichnung der deutschen UNESCO-Kommission ist
für uns eine große Ehre, denn sie zeigt, welche Anerkennung unsere von
Jugendlichen geschaffene Initiative findet. Zumal dies nicht die erste Bestätigung
für unseren Erfolg in diesem Sommer war. Zuvor zählten wir bereits zu den
Gewinnern des Wettbewerbes „Sei ein Futurist“, der von dm-Drogerie-Kette und
der deutschen UNESCO-Kommission ausgerufen wurde.
Ein weiterer Höhepunkt war der Gewinn des Engagementpreises
„Leinestern“, der uns im Juli in der Kategorie „Projekt des Jahres“ vom
Freiwilligenzentrum Hannover verliehen wurde.
Auf dem Michaeli-Fest wird Brasil09 seinen
Informationsstand daher im Rahmen der bundesweiten „Aktionstage – Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ stellen. Der Erlös unseres diesjährigen
Sponsorenlaufes wird den Opfern der Flutkatastrophe in Porto zugute kommen.
Den Schülern wurden hierfür mit der Ranzenpost bereits
weitere Informationen mitgegeben. Teilnehmer können sich am Samstag aber auch
noch spontan anmelden.
18 Tage Brasilien ein Reisebericht Von Rea-Helena Fremerey
Und wie wars? Vor dieser Frage habe ich am meisten Angst, wenn ich an die Ankunft in Deutschland denke. Die Eindruecke, die ich hier bekomme, kann man einfach nicht in eine Antwort verpacken! Am ersten Tag war es regelrecht erschlagend. Kein Wunder, dass jeder von uns seine Zeit der Umstellung in Form von kleinen Krankheiten oder leichten Schwaecheanfaellen durchlebte. Um alles zu verarbeiten war es das Beste, alleine im Bett zu liegen und in Ruhe ueber alles nachzudenken .
Diese Kultur ist so anders. Die Menschen sind so offen und so dankbar; fuer alles!
Ich erinnere mich vor allem an den “internationalen Tag der Frau. Es ging ein Zug durch ganz Porto, begleitet von Musik, Reden und vielen Luftballons, Bannern und Menschen. Alles hatte ein Ziel: die Foerderung der Emanzipation der Frau. Zwischendurch hielt der Zug an verschiedenen Stellen. Am Ende einer dieser Pausen kam ein kleines Maedchen auf mich zu, dem von ihrer Mutter offensichtlich Mut zugesprochen worden war. Es gab mir die Hand, dann blickte es auf, schaute mir mit ihren braunen Augen direct in meine, schuettelte den Kopf und warf sich mir ploetzlich in den Arm!
Dieses Gefuehl war so unbeschreiblich! Ich kann immer noch nicht so ganz in Worte fassen, was ich in diesem Moment gefuehlt habe, aber es war wie eine Erloesung; Endlich konnte ich alle Eindruecke, Erlebnisse und Gefuehle herauslassen. Viele fragten mich, warum ich weinen wuerde, wenn ich so lichen muss. Meine Antwort war; Weil ich so gluecklich bin!
Das bringt es auf den Punkt. Hier bin ich richtig gluecklich. Schon alleine wegen allen meinen neuen Freunden, mit denen ich mich oft nur durch Laecheln und Lachen unterhalte.
Die Menschen geben so viel, obwohl sie nur so wenig haben! Es ist erschreckend, wie gross der Unterschied ist. Da steht man vor einem der Haeuser, in denen wir hier wohnen duerfen, sieht den Luxus und direct daneben ist eine Lehmhuette, ohne Tueren, ohne Fenster und Putz. Und trotzdem scheinen die Menschen nichts zu vermissen, ihnen fehlt nichts, solange sie ihre Heimat, die Musik und das Tanzen haben!
Dieses Gluecklichsein ist ansteckend! Viele aus der Klasse sind hier so aus sich heraus gekommen und leben richtig. So empfinde auch ich es. Der Tagesablauf ist zwar immer irgendwie gleich, aber man erlebt jeden Tag so viel Neues!
Jeden Tag lernt man neue Woerter, kann dadurch mehr sprechen, lernt neue Frechte kennen, neue Seiten von Klassenkameraden und weitere Menschen von hier.
Vor ein paar Tagen wurden wir auf einen Geburtstag eingeladen. Die Mutter hielt eine Rede, wie stolz sie sei, dass so tolle Menschen mit ihrer Tochter befreundet seien, wie sehr sie sich freue uns hier zu haben und dass ihr Herz fuer uns schluege. Wieder ein Moment, der unter die Haut ging, von denen es hier so viele gibt.
Langsam fange ich an zu verstehen, was das Wort Saudade bedeuten koennte. Zwar merke ich hier, wieviel Luxus wir in Deutschland haben, der fuer uns so selbstverstaendlich ist, aber wirklich vermissen tue ich den HIER nicht ( nur hin und wieder deutsches Essen). Hier lebt man einfach wie es kommt.
Meine Antwort auf die Anfangsfrage wird wohl immer gleich ausfallen:
Es war Leben
I.A. Larissa Holzki, Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit
Richtfest in Porto!
Das Jugendhaus ist aufgericht’,
Gedeckt, genutzt wird es noch nicht.
Die Maurer, Putzer, Zimmerleute,
Sind stolz auf diesen Bau hier heute.
Die Wände gerade, der Dachstuhl kühn,
Über den schon viele Wolken zieh’n.
Es flattern im Winde die Bänder am Kranz,
Hier wird das Leben blühen beim Tanz.
Brasilianer und Deutsche Hand in Hand,
Halfen, dass dies Haus entstand.
Und solang das Bauwerk nicht vergeht,
Wird es verkünden, dass die Freundschaft besteht.
Es lebe die deutsch-brasilianische Freundschaft!
Viva a amizade Brasil – Alemanha!
Mit diesem Richtspruch wurde am Freitag, den 13.03.2009 die Casa da Juventude gefeiert. Das Haus ist gewachsen, seit die Schüler der FWS Sorsum vor gut zwei Wochen in Brasilien ankamen. Die Wände sind vollkommen hochgezogen, das Dachgerüst fertig gestellt und es fehlen nur noch wenige Ziegel auf den gestrichenen Dachlatten. Gestern leuchtete die erste Glühlampe in einem der bereits verputzten Räume. Im Eingangsbereich wurde Sand für eine Rampe und Blumenbeete aufgeschüttet.
Der Beton wird hier von Hand gemischt. Für die restlichen Wände, die noch zu verputzen sind, werden wir noch eine ganze Menge Sand und Kies sieben müssen. Außerdem gilt es das Dach fertig zu stellen, das eine besondere Konstruktion wird. Im Eingangsbereich wird es eine Art Kuppel bilden. Der Elektriker arbeitet fleißig und in einigen Räumen gibt es schon Lichtschalter.
Zuversichtlich sehen wir den kommenden Aufgaben entgegen. Vamos conseguir – wir werden es schaffen!
Doch nicht nur der Bau hat sich entwickelt. Die deutsch-brasilianischen Freundschaften haben sich gefestigt. Unser Zusammenleben gibt das Gefühl einer großen Familie. Besonders verbindend sind gemeinsame Erlebnisse und Gefühle. Das können sowohl ein Ausflug, als auch ein herzlicher Lachanfall sein.
Am Wochenende besuchte die Klasse mit einigen brasilianischen Freunden die drei Busstunden entfernte Stadt Esperantina. Nahe dieser Stadt befindet sich der Cachoeira do Urubu - ein Wasserfall, der in der Regenzeit überwältigende Ausmaße hat. Den Jugendlichen stockte beim Anblick der wunderschönen Natur und unglaublichen, reißenden Wassermengen der Atem.
Es sind Eindrücke der unterschiedlichsten Art, die uns hier zu Teil werden und die wir versuchen in Reflexionsrunden zu verarbeiten. Vieles, was wir hier sehen und fühlen, werden wir wahrscheinlich erst viel später realisieren und verstehen. Für den Moment möchten wir einfach alles in uns aufsaugen und verinnerlichen.
Dass Brasilien viel mehr als die Weltstadt Rio de Janeiro, Samba und Caipirinha zu bieten hat, das steht für uns längst außer Frage. Brasilianisch – das ist für uns: Ein auf das Sonnenlicht und die Hitze abgestimmter Tagesablauf, die Gelassenheit alles so zu nehmen wie es kommt, stets viele Menschen und Musik auf den Strassen, andere “Verkehrsregeln”, vier Leute in Flip-Flops auf einem Motorrad, Reis mit Bohnen, saftige Früchte, frisch gepresste Säfte, sonderbare Pflanzen und Tiere, feuchte Luft und vieles mehr.
So langsam packt uns die Angst, dass die Zeit bald vorbei ist.
Ganz liebe Grüße an alle!
Larissa
Von krähendem Mittagessen und einem lebendigen Krankenhaus
Reis mit Bohnen, Bohnen mit Reis, Reis mit Bohnen, Bohnen mit Reis – die Brasilianer ernähren sich nicht besonders abwechslungsreich. Zum Lunch auf der Baustelle gibt es Melonen, Papaya, Bananen, Mango, Guaven- und Maracujasaft. Obwohl die Freunde sich alle Mühe geben uns die Essensumstellung zu erleichtern, hatten unsere Mägen anfangs sehr zu kämpfen. Die große Hitze und der neue Lebensrhythmus warf einige von uns für kurze Zeit aus der Bahn.
Dass uns das Krähen eines Hahnes weckt, der kurz darauf an den Füssen gepackt in die Küche getragen wird, ist den meisten von uns doch sehr fremd und bedarf der Gewöhnung.
Als sich bei zwei Mädchen, Sophie und Sara, die Nahrung nur noch körperauswärts bewegen wollte und ihre abnehmenden Kräfte allen große Sorgen bereiteten, wurden sie am Samstagmorgen zur ärztlichen Untersuchung ins städtische Krankenhaus gebracht.
Vor dem Hospital und in der Eingangshalle warteten viele Menschen auf Medikamente. Noch unter den neugierigen Blicken der Wartenden, wurde bei Sophie und Sara der Blutdruck – und mit einem Quecksilberthermometer Fieber gemessen. Danach bekamen die Mädchen und ihre Begleiterinnen, unsere Projektbetreuerin Sabine von Klahr und Frau Schmidl, einen Arzt zu Gesicht. Nach Aussagen der Anwesenden kam es jedoch nicht einmal zu einem Blickkontakt. Der Arzt liess sich die Beschwerden schildern und notierte mit knappen Worten die weiteren Behandlungsschritte.
Dann folgte die Überraschung: entgegen der Versprechen von Sabine und Frau Schmidl, dass sie das Krankenhaus nur zur Untersuchung aufsuchen würden, fanden sich die beiden Geschwächten bald auf einem Zimmer und am Tropf wieder. Die dürftigen Betten machten den Eindruck, als seien sie in den 60er Jahren in Deutschland aussortiert worden.
Kopfkissen gab es nicht, dünne Laken dienten als Decken und an einem Bett fehlte eine Rolle, so dass Sophies Gesundheit etwas “in der Schwebe hing”.
Die freundlichen Krankenschwestern kündigten die Untersuchung für die kommende halbe Stunde an. Als Sabine nach fünf Stunden zum x. Mal nach dem Doktor fragte, erhielt sie die Auskunft er sei erkrankt. Ein anderer Mediziner sei jedoch bereits gerufen worden.
Die Wartezeit wurde durch Besuche von neugierigen Brasilianern verkürzt, die ihre Verwandtenbesuche unterbrachen, um die interessanten Deutschen zu sehen.
Wie ein Lauffeuer schien sich die Nachricht von dem Krankenhausaufenthalt der Mädchen herumzusprechen. Und schon bald führte eine Ameisenstrasse durch das Zimmer. Die brasilianischen Projektbetreuer kümmerten sich jedoch rührend um die Sorgenkinder.
Unterdessen befand sich Herr Waldmann auf Montage. Eine Toilette ohne Klobrille war bei dem beschriebenen Krankheitsbild nicht weiter tragbar.
In der inzwischen 18. halben Stunde kam endlich der Arzt. Er erkundigte sich nach dem Zustand der Mädchen und verschrieb ihnen diverse Medikamente und Kokoswasser. Den Deutschen blieb ein wenig die Luft weg, als sie später bemerken mussten, dass die Krankenschwestern hin und wieder die beiden Patientinnen verwechselten. Glücklicherweise litten sie ja an den gleichen Symptomen.
Mit Einbruch der Dunkelheit stellte sich ein Nachtwächter den Deutschen vor. Gut behütet überstanden Sophie und Sara die Nacht im Krankenhaus.
Am nächsten Morgen konnten beide Mädchen wieder entlassen werden. Noch immer geschwächt schlichen sie in Schlafanzügen zurück in unser Haus. Sobald sie wieder zu Kräften gekommen waren, hatten sie eine spannende Geschichte zu erzählen.
Liebe Grüße von allen,
Larissa
Ein Reisebericht von Tim-Alioscha
Mail -1-, 13.03.2009
Hey ihr,
Ich schicke euch jetzt leider doch kaum Fotos, weil es hier 15 min. dauert, um überhaupt erst 1pic an die mail anzuhängen.. -.-
Und, haben wir das Voting gewonnen?? ...sorry, aber weder voten wir von hier aus, noch gucke ich jetzt selber nach ... das Internet-Cafe ist selten auf, es gibt, soweit wir wissen nur dieses, es ist oft besetzt oder der Strom fällt in der ganzen Stadt aus. ..und dann ist es auch noch extrem langsam -.- T.T
Aber abgesehen davon, dass wir nur schwer Kontakt nach Hause aufnehmen können, sind die meisten von uns zufrieden, nicht ständig bei schüler-vz abhängen zu müssen - es macht Spaß einfach nur das Leben zu genießen, richtig zu arbeiten (!!!!) in der Hängematte zu chillen, zu reden und in den Pool zu springen (der trotz des alle 2 Tage stattfindenden Wasserwechsels und des Chlors schnell wieder eine dunkelgrüne undurchsichtige Färbung annimmt...)
Es ist zwar nicht immer ganz ausformuliert, die Rechtschreibung lässt zu wünschen übrig, aber ich habe gestern mal versucht ein bisschen aufzuschreiben, was ich hier so denke:
Es wäre falsch unser Projekt als selbstlos zu bezeichnen...
Bei allem, was wir den brasilleiros durch unser Projekt (hoffen) an Gutem zu tun, bin ich sicher, nicht zu übertreiben, wenn ich feststelle, dass wir von unseren Erfahrungen so weitgehend profitieren, dass das Projekt uns bei weitem mehr zurück gibt, als wir hinein gesteckt haben.
Diese Erfahrungen sind so vielseitig und zahlreich, dass es mir (wie wohl den meisten) schwer fällt, sie auch nur annähernd in Worte zu fassen. Es gibt hier Momente, in denen mich gleichzeitig die verschiedensten Eindrücke und emotions durchfluten :P
Ich will trotzdem versuchen, euch ein Bild unserer Erlebnisse zu machen, indem ich euch an einem kleinen Teil der Eindrücke teil haben lasse.
Selbstverständlich sind mit dem Bau unweigerlich praktische Erfahrungen verbunden. Doch darüber hinaus lerne ich nicht nur Bautechniken, sondern auch mich und meine Mitmenschen besser kennen.
Von Disziplin und Durchhaltevermögen über Rücksichtsnahme - man muss lernen die Augen offen zu halten, um niemandem im Weg zu stehen, sich selbst nicht zu gefährden und wenn möglich andere zu unterstützen, wo Hilfe benötigt wird.
Wir können von der lockeren Art der brasilleiros viel lernen, die angesichts der materiellen (etc) Voraussetzungen hervorragende Arbeit leisten. Und erstaunlicherweise geht der Bau entgegen unseren Erwartungen trotz des belastenden Klimas und dem gemütlich, lockeren Temperament der Einheimischen sehr gut voran, ... auch wenn Krankheitsausbrüche unerwarteten Ausmaßes unseren Klassenbestand dezimiert haben. ;P einen weiteren, wie ich finde lehrreichen Aspekt stellt die lokale Verkehrssituation dar. Denn bei allem, was ein an Regeln, Ampeln, Schutzkleidung und Airbags gewöhnter Deutscher hier auszusetzen hätte, können, wie ich finde auch hier wieder einmal nicht nur die Brasilianer von uns lernen! Hier fahren bereits 14jährige Motorrad auf den holprigen Pflastersteinstrassen - aber keine Angst natürlich nicht alleine, sondern mit der ganzen Familie! - Denn hier werden die am meisten genutzten Verkehrsmittel neben dem bremsenlosen Fahrrad gleich von bis zu 4 Personen gleichzeitig zur Fortbewegung genutzt... Dennoch soll es hier nicht viele Unfälle geben - an Kreuzungen wird selbstverständlich die Geschwindigkeit gedrosselt und meistens auch auf der rechten Straßenseite gefahren. Führerscheine gibt es nicht. Die nötigen Vorbereitungen werden von den älteren Geschwistern eingeleitet. – Ein Verkehr ohne offensichtlich festgelegte Regeln, ohne Verkehrszeichen, Helme und Ampeln, in dem Rück- und Vorsicht, sowie ein paar Bodenwellen, die der Vernunft nachhelfen, für Sicherheit sorgen. ...und vielleicht denkst du ja an die lockere Lebensart der brasis, wenn du das nächste Mal fluchend im Stau steckst, dad! - don`t worry about a little thing, cause every little thing is gonna be all right.
So, ich versuch erstmal, das zu schicken, wenn’s klappt folgt gleich mehr.^^
Mail -2-, 13.03.2009
Kurzer Einblick in die schockierende, schwierige politische Situation vor Ort:
Wir haben vor ein paar Tagen den Bürgermeister von Porto besucht - und mussten "nur ein Stündchen" mit der ganzen Kasse im Eingangsbereich warten - war ja auch nicht zu erwarten, dass wir zum abgemachten Termin erscheinen würden... (na ja, immerhin hat man Ventilatoren aufgestellt ;P)
Also der amtierende Bürgermeister versicherte uns, er stehe für Wohl und Gleichberechtigung der Bevölkerung ein.
Die Frage von Francisco (unserem hiesigen Projektleiter, der ursprünglich Priester oder so werden wollte, dann aber Politik studiert hat), warum er (der BÜRGERmeister) unser Projekt dann nicht unterstützt habe, welches ja zum Wohl der hiesigen Bevölkerung sei) beantwortete dieser mit der Rechtfertigung, man habe ihn nicht genau genug informiert. Als wir ihm daraufhin anboten, ihm jetzt alle offenen Fragen zu beantworten, wurde er still, schluckte, zwang sich wieder sein erbärmliches falsches Lächeln auf und wechselte das Thema, als hätte er so etwas 1000mal geübt...
Von unseren sehr freundlichen und engagierten brasilianischen Projektleitern erfuhren wir durch ein mehrstündiges Gespräch, dass sie auf unsere Rückfrage hin organisiert hatten, dass die Familie des Bürgermeisters bereits seit 20 Jahren an der Macht sei. Er habe seinen eigenen Bruder aufgrund einer Meinungsverschiedenheit ins Gefängnis werfen lassen und die kritische Opposition aus dem Radio schmeißen lassen, denn den einen Sender hier kontrolliert er. Um die Wahlen zu gewinnen, organisiert er Feste, in denen er der Bevölkerung vermutlich für kurze Zeit das Gefühl einer um ihr Wohl besorgten Regierung vermitteln will.
Außerdem lässt er busweise Leute aus der Umgebung holen, die er korrumpiert und gegen eine kleine finanziellen Hilfe für sich wählen lässt. Und wenn die Stadträte, wie es schon mehrfach der Fall war, unentschieden sind , ob sie ihn unterstützen, oder es wagen sich gegen ihn zu stellen, hilft ein neues Motorrad schnell, sich zu entscheiden..
Man berichtete uns auch, dass er unser Projekt nicht unterstütze, weil man ihm den Zugriff / die Verwaltung unserer Projektkasse zum Bau des Bildungshauses verwehrt hatte. Weil er sich also nicht wie hier anscheinend leider oft üblich, die Hälfte abzweigen konnte, ließ er seinen Frust am Projekt aus und legte uns die Steine in den Weg, statt mit zu helfen. So soll er per Radio etc. vielen Jugendlichen eingeredet haben, die Kolping-Leute würden sich durch das Projekt bereichern. - Angesichts der zuvor genannten Fakten eine gerade zu ironische Dreistigkeit, die uns alle, als wir davon hörten so wütend machte, dass wir sofort überlegten, wie wir helfen und dagegen vorgehen könnten, um den mutig, aber Vorsichtig und geduldig gegen die Ungerechtigkeit ankämpfenden Leuten hier zu helfen.
Die Korruption, Wahlmanipulation und Bestechlichkeit zeigen mal wieder die Probleme, die mangelhafte Bildung und daraus resultierende Armut nach sich ziehen. Vielen Leuten scheint nicht bewusst zu sein, wie nützlich ein Projekt wie das unsere für die Zukunft der Bevölkerung und der Stadt sind - so legen sie mehr Wert auf ein vom Bürgermeister organisiertes Fest.. oder ein neues Motorrad (was wie gesagt angesichts der vorherrschenden Armut auch zu einem gewissen Verständnis unsererseits führt.)
Also in meiner nächsten kleinen mail gehe ich auf die Bildung noch genauer ein..
bis dann ganz liebe grüsse, euer Timmäää!
Noch eine kurze Nachricht, (die letzte heute denk ich), ...aber wenn das Internet schon mal geht...
Mail -3-, 13.03.2009
Kurzer Einblick in die Bildungslage:
Am Morgen des 06.03.09 besuchte noch einmal eine Gruppe von uns eine der nahegelegenen Schulen.
Ein etwas schockierendes Erlebnis, dass mir die Notwendigkeit unseres Projektes noch einmal vor Augen führte, (wahlweise auch ins Bewusstsein rief ;P ) und mir einen neuen Motivationsschub gab, denn der Englischlehrer hatte Mühe sich auch nur ein wenig in der Sprache mit uns zu verständigen, die zu lehren sein Beruf ist. (um nur mal ein exemplarisches Beispiel zu nennen).
Während die Kinder uns zu Ehren eine kleine Tanzvorstellung gaben, um dann wie so oft mit uns für ihre Kameras "ab zu posen", machte ich mir Gedanken, wie man dieser erschreckenden (Bildungs-)Armut entgegen wirken könnte ..und kam ZU DEM BEFRIEDIGENDEN SCHLUSS, DASS WIR MIT UNSEREM PROJEKT dieses so weit verbreitete, grundlegende Problem, dass soviel andere (wie Gewalt, Korruption etc nach sich zieht), an der Wurzel packen.
Den zukünftigen Generationen einen kostenlosen Zugang zu Bildung und damit die Chance auf eine freiere Berufswahl , Unabhängigkeit und ein objektiveres Weltbild zu verschaffen und gleichzeitig noch ihre exotische
Kultur durch dort geplante Capoeira-Kurse zu fördern und zu erhalten, scheint der Grundbaustein für eine bessere, eine gerechtere Zukunft zu sein.
Wir können uns glücklich schätzen, einen Teil dazu beitragen zu können.
(klingt komisch, ist aber so! xD )
So, aber jetzt muss ich erstmal wieder kurz in unseren immergrünen, von Palmen umgebenen Pool hopsen, ohne dessen gütige Erfrischungen ich bei dieser glühenden Hitze wohl kaum in der Lage wäre, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn einen einigermaßen versierten Bericht zu verfassen, der unseren bemitleidenswerten Verwandten in der (wie man munkelt) 4 Grad kalten und verregneten Heimat für einige Augenblicke auf eine geistige Reise in dieses wunderschöne, exotische Land zu entführen und so an unserem Abenteuer teil haben zu lassen.
Até logo! - Bis bald!
Mail -4-, 13.03.2009
Für die Forschungskollegen und Naturbegeisterten
ich war zwar erst einmal mit Kai auf Entdeckungstour in der Umgebung, ...aber da wird wohl noch die ein oder andre Gelegenheit sein ...;)
Letztens waren wir in/ am Campo Lago, einer benachbarten Stadt, deren Regierung sich Kolping gegenüber weitaus kooperativer, offener und vernünftiger gezeigt hat und die auf zukünftige Zusammenarbeit bzgl. kultureller Austausche hofft.
Nachdem wir dort also von der örtlichen Kolpinggemeinschaft empfangen wurden, haben wir wie gesagt, das Rathaus besucht und mal wieder ordentlich gegessen. - wobei die Hühnerfüße in der Fleischschale uns leicht angewidert haben ...nur Kai war so mutig, ein Stück zu probieren . - Er ist jetzt ein Mann. ;P ^^
Jedenfalls sind wir, und darauf wollte ich hinaus, dann an einen See gefahren. Leider hat Sabine (unsere ca. 23jahre junge und sehr nette Kolping-Unterstützung, die uns ja bekanntlich begleitet) uns untersagt, wie die brasis von den Bäumen in das trübe Wasser zu springen, oder generell zu baden. Leicht enttäuscht machte ich mich mal wieder mit Foto- und Video-Cam bewaffnet auf, das Ufer zu erkunden. Zwar war die Region eher etwas trocken und dürr, aber wir wissen ja aus Frankreich und Italien, dass es auch an solchen Orten genug Tiere gibt, (wenn auch keine Leguane ;( ) ^^ ..als ich zwischen den riesigen Termitenhügeln begann, die toten Baumstämme umzudrehen, ließen unsere animalischen Freunde nicht lange auf sich warten! ;)
bereits unter dem ersten Stamm entdeckte ich nach ausgiebiger in Augenscheinnahme aller dort lebenden Wesen einen großen beigen Skorpion!! :) sofort waren Gerrit, (mit dem ich mich sehr gut verstehe :), sowie auch unsere Foto-expertinnen Sarah und Kristina mit ihren Riesenkameras am Start, um das Erlebnis festzuhalten. Und schnell gesellten sich auch einige der anwesenden brasis zu uns, die uns halfen, unter den nächsten Stämmen noch ein paar Vogelspinnen zu finden, von denen eine ziemlich groß war! - was wünschen wir uns mehr!? ;D
Und wenn ich wie die letzten 2 Tage ein bisschen angeschlagen bin (keine Angst, nicht so schlimm wie die meisten meiner Kameraden :P) , dann kann ich auch im Haus genug Viecher finden...! Letztens ist mir ein riesiger Tausendfüßler das Bein hoch gekrabbelt, ich hab ihn schnell abgestreift und mit Glas und Pappe gefangen - die Haushälterinnen/Köchinnen meinten, er sei tödlich ... Glück gehabt, dass ich ihn durch den Reflex davon abgehalten habe, sich in meinen Short zu begeben.. xD
ansonsten hatten wir in unserem Haus schon 2 fette Vogelspinnen, von denen eine so groß wie eine Männerhand war!! (Fotos folgen vielleicht irgendwann!)
Und auch eine kleine Fledermaus und ein Gecko sind schon durchs Wohnzimmer gekrabbelt ...ab jetzt ruft man immer nach mir, wenn irgendwo was kriecht - ich fotografiere und fange die Viecher, von denen die tödlichen leider auf der Terrasse gekillt werden müssen, damit uns im Schlaf nichts beißt..
O.k. ich muss wirklich endlich off ...
Essen und dann schnell wieder aufn BAU ... Johni ist zum Glück eben gekommen, sodass ich dem Besitzer des Cafes doch nicht erklären muss, dass ich kein Geld mit hab - ich hätte die Kamera ungern als Pfand hier gelassen!
Also ciao :-*
Leben und arbeiten auf brasilianisch
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Gerade eine Woche ist es her, dass wir brasilianischen Boden betraten. Der Zeitraum erscheint uns jedoch wie eine Ewigkeit. Die Entfernung, die wir zu unserer deutschen Heimat empfinden, lässt sich nicht in einer Kilometerzahl zusammenfassen, denn wir fühlen uns hier wie in einer anderen Welt. Für die Brasilianer ist unser Aufenthalt in Porto mindestens genauso aufregend. Neugierig beobachten sie jeden unserer Schritte.
Ab dem ersten Tag bildeten unsere acht Freunde der Tanzgruppe, die uns im Herbst 2008 in Deutschland besuchte, für uns eine Brücke zu den anderen Menschen. Dadurch bekommen wir die einmalige Gelegenheit nicht als Touristen hier zu hausieren, sondern mitten hineinzutauchen in das blühende Leben.
In den ersten Tagen gab es zunächst sehr vorsichtige Annäherungsversuche. Jeder Jugendliche, der am Projekt teilnimmt, findet seinen ganz eigenen Weg zur Kommunikation und Gemeinschaft. Wunderbar ist es zu beobachten, wie Tag für Tag mehr Jugendliche den Mut finden, die fremde Sprache in den Mund zu nehmen.
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Von Dienstag bis Donnerstag waren wir morgens und nachmittags auf dem Bau. Dabei ließ sich beobachten, dass Deutsche und Brasilianer zunächst an verschiedenen Aufgaben, wie beispielsweise dem Transport von Steinen, dem Streichen der Dachlatten und der Vorbereitung des Bodens arbeiteten. Bei Temperaturen von 50 Grad in der Sonne flossen schnell die ersten Schweißbäche.
Mehrere LKW-Ladungen voll Sand mussten auf dem Grundstück verteilt werden. Der immer wiederkehrende Lastwagen stachelte den Ehrgeiz der Deutschen und Brasilianer gleichermaßen an und schon bald arbeiteten wir Hand in Hand.
Rund um den Bau versammelten sich Scharen von Schaulustigen, darunter viele Kinder, die uns mit großen Augen bestaunten. Zunächst waren sie sehr zurückhaltend, doch als einige die Einladung annahmen mitzuhelfen, tummelten sich plötzlich zahlreiche Kinder zwischen Sandbergen und Ziegeln. Die Freude über die übergreifende Begeisterung war so groß, dass irgendwer ein deutsches Lied anstimmte und kurz darauf alle anderen summend und singend mit einfielen.
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Wir sind jetzt bereits an den Dacharbeiten und wahrscheinlich feiern wir morgen ein kleines Richtfest. Dazu gibt es dann auf jeden Fall einen kleinen Bericht. Außerdem waren wir heute beim Stadtrat und haben viel über die Politik hier gelernt. Heute Nachmittag wird gebaut und es gibt im Kolpinghaus einen Nachmittag mit Kindern. Die Mittagspause ist gleich zu Ende und ich mach mich mit der Kamera erneut auf den Weg.
Ganz liebe Grüsse an alle!
Larissa.
Bericht der Calenberger Zeitung vom 9.3.09
Die Reise in eine andere Welt
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Nach einer langen Reise über den großen Teich sind wir nach 27 Stunden am Sonntagnachmittag endlich in Brasilien angekommen. Bereits am Flughafen in Teresina wurden wir mit wehenden Fahnen von unseren brasilianischen Freunden begrüßt. Überall fielen sich Deutsche und Brasilianer in die Arme, hier und da glitzerten Tränen der Freude in den Augen.
Für uns Schüler sind diese ersten Tage überwältigend. Die Eindrücke begannen mit dem ersten Atemzug brasilianischer Luft. Temperaturen von mehr als 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit schlugen uns entgegen und machten uns in jedem Augenblick deutlich, dass wir nun das Ziel unseres Projektes erreicht haben. Ich weiß kaum in Worte zu fassen, was wir hier erleben und sehen.
Gemeinsam verbrachten wir eine Nacht im Kolpingzentrum in Teresina. Mit Begeisterung genossen wir die ersten Früchte und Säfte. Am Montag fuhren wir mit dem Reisebus in die etwa drei Autostunden entfernte Kleinstadt Porto. Auf der Fahrt drückten wir uns die Nasen an den Scheiben platt. Wir fuhren durch Städte, über Dörfer, durch Wälder und über Felder; vorbei an Menschen und Tieren, Palmen und Kakteen. Versucht man diese Bilder in einen Satz zu fassen, könnte man sagen: "Hier blüht das Leben".
Als wir in Porto ankamen, warteten hier bereits die Jugendlichen, die Betreuer und viele Familienangehörige auf uns. Abermals tauschten wir herzliche Umarmungen aus - obwohl sich doch eigentlich die Wenigsten kannten.
Nach unserer offiziellen Begrüßung fuhren wir mit dem Bus zu den beiden Häusern, in denen wir untergebracht sind. Der Busfahrer erlitt dabei heftige Schweißausbrüche, da die meisten Straßen nicht für einen Reisebus gebaut sind. Mehrmals steckten wir auf einer viel zu kleinen Kreuzung fest.
Von unseren Wohnhäusern waren wir sofort begeistert. Sie gehören zwei wohlhabenden Familien, die für den Zeitraum unseres Aufenthaltes ausquartiert wurden. Die Bereitschaft zur Hilfe beeindruckt uns hier immer wieder.
Am Montagnachmittag war es dann endlich soweit. Wir konnten "unser Haus", die Casa da juventude, das Bildungszentrum, das wir gemeinsam mit den brasilianischen Jugendlichen fertig stellen wollen, das erste Mal sehen - ein unbeschreiblicher Moment. 2 Jahre Vorbereitung und Planung, Geldverdienen und Spenden sammeln – und nun waren aus Träumen Mauern aus Stein geworden, aus einer Vision wurde Wirklichkeit.
Unsere brasilianischen Freunde haben schon viel vorgearbeitet. Es stehen bereits die Außenmauern und es ist erkennbar, wie es einmal werden wird. Auch von der Größe des Hauses waren wir begeistert. Am liebsten hätten wir sofort die Ärmel hochgekrempelt und mit der Arbeit begonnen. Doch leider wurde es bald darauf dunkel und der erste Arbeitstag wurde auf den Dienstag verschoben.
Am Dienstagmorgen frühstückten wir bereits um 7:00 Uhr in der Frühe. Dann hieß es endlich: "Vamos trabalhar - wir gehen arbeiten".
Unsere Aufgabe war zunächst Steine zu schleppen und Dachlatten zu streichen. Dabei erhielten wir Anleitung der brasilianischen Handwerker. Die Hitze machte uns sehr zu schaffen, doch die Begeisterung endlich Hand anlegen zu können, ließ die schmerzenden und von der Reise müden Glieder vergessen. Zwischendurch mussten wir immer wieder Pausen im Schatten einlegen und sehr viel Wasser trinken. "Die Deutschen lieben die Arbeit", wunderte sich eine Projektbetreuerin über unseren Eifer. Erschöpft gingen wir in die Mittagspause.
In der zweiten Arbeitseinheit hieß es abermals Dachlatten streichen. Außerdem verteilten wir mehrere Wagenladungen Sand für den Boden. Die Arbeiter auf dem LKW, der den Sand herbeischaffte, ließen sich von unserer Begeisterung anstecken. Mit großen Augen bestaunten wir ihre Kraft und Ausdauer beim Schaufeln des Sandes. Die Handwerker, die zur gleichen Zeit in mehreren Metern Höhe mauerten, erstaunten uns jedoch fast noch mehr. Aus Baumstämmen und Draht zimmerten sie sich Gerüste, kletterten hinauf, balancierten auf einem Flip-Flop und warfen sich gegenseitig mit Leichtigkeit die Steine zu. Dabei hielten sie sich maximal mit einer Hand an dem Gerüst fest.
Vor der Baustelle versammelten sich zahlreiche Menschen jeder Altersklasse und bestaunten das Geschehen. Darunter waren viele Kinder im Grundschulalter, die mit ihren dunklen Augen jeden unserer Schritte beobachteten. Und irgendwann war das Eis zwischen uns gebrochen. Die Kinder stürmten geradezu auf die Baustelle, halfen beim Sand verteilen und Stampfen, und die kleinen Jungs griffen begeistert nach den Schaufeln.
Als wir ein deutsches Lied anstimmten, waren die Jungen und Mädchen sofort Feuer und Flamme. Auch wenn unsere Sprache ihnen fremd ist, versuchten sie unsere Worte nachzuahmen. Wir fügten den Liedern Bewegungen hinzu, wie wir es von Zuhause aus den unteren Klassen kennen. Die Kinder strahlten vor Begeisterung und wir konnten beobachten, wie sie später zu ihren Eltern rannten um vorzuführen, was sie gelernt hatten.
Am Vormittag hatten Deutsche und Brasilianer noch vielerorts für sich gearbeitet, wenige Stunden später arbeiteten wir Hand in Hand. Am späten Nachmittag räumten wir die Baustelle auf, zufrieden mit unserem Ergebnis. Manche mussten dabei fast gedrängt werden sich nicht zu überfordern. Trotz Sonnenmilch mit Schutzfaktor 50 können einige von uns schon einen Sonnenbrand aufweisen.
Jeden Abend setzen wir uns zusammen und versuchen dabei in Worte zu fassen, welche Erlebnisse und Erfahrungen der Tag mit sich brachte. Was dabei für Emotionen aufkommen, berichten wir jedoch ein anderes Mal. Denn nun möchte auch ich schnellstens wieder auf den Bau, um tatkräftig mit anzufassen.
Von der Außenwelt sind wir hier völlig abgeschirmt. Es gibt keinen Handyempfang und zurzeit auch so gut wie keine Möglichkeit ins Internet zu kommen. Doch inzwischen sind wir alle eigentlich sehr froh darüber, denn das Leben wird dadurch nur intensiver. Materielles gerät wirklich in den Hintergrund.
Uns geht es ganz ausgezeichnet. Alle sind beeindruckt. Die gemeinsame Arbeit, das freundschaftliche Miteinander von deutschen und brasilianischen Jugendlichen wirkt wie Salbei auf die Seele. All die Arbeit in der Vorbereitung, das Bangen und Hoffen hat sich gelohnt!
Viele Grüße aus Brasilien von der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Sorsum!
In Teresina angekommen
Hallo Ihr lieben "Zurückgebliebenen"!
habe gerade eine SMS von Kristina erhalten, geht allen gut, sind gestern wohlbehalten in Teresina angekommen und fahren bald mit dem Bus nach Porto. Es ist warm und es regnet.
Liebe Grüße
Andreas Lange
Keine Ferien - dafür ein schwerer Arbeitseinsatz
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Wennigsen/Porto (mi). Wenn heute um 16.41 Uhr der ICE vom Hauptbahnhof Hannover nach Frankfurt auf Gleis 4 abfährt, hat er 16 Mädchen und zehn Jungen der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Sorsum (FWS) an Bord,. Für vier Wochen reisen die 26 Zwölfklässler der Freien Waldorfschule Sorsum nach Brasilien. Für die Kleinstadt Porto, im Nordosten Brasiliens, haben die Waldorfschüler seit zwei Jahren für ein ungewöhnliches Projekt geschuftet, organisiert und Spenden gesammelt, um an einem Jugend-Bildungshaus für sozial Schwache nicht nur selbst Hand anzulegen, sondern auch die Finanzierung dieses Hauses zu übernehmen.
Eine 8000 Kilometer lange Reise in den Nordosten Brasiliens haben die Schüler vor sich. Sie fliegen nach Sao Paulo und gelangen nach Zwischenstationen über Fortaleza und Teresina an ihrem Zielort Porto an. Zwei Häuser haben die Schülerinnen und Schüler dort für ihre Unterbringung gemietet. Sie sind in Begleitung der beiden Waldorflehrer Maria Schmidl und Frank Waldmann. Betreut wird die Gruppe von der Leiterin des Brasilienprojektes Sabine von Klahr des Deutschen Kolpingwerkes Köln.
„Die Grundmauern und das Dach sollen schon stehen, wenn wir ankommen“, erklärte Larissa Holzki aus der Klasse 12, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im extra für das Projekt gegründeten Verein zuständig ist. Sie wird während des gesamten vierwöchigen Aufenthaltes über alles berichten, was die FWS-ler erleben. „Denn es wird nicht sieben Tage in der Woche täglich geschuftet“, verriet Larissa. „Wir wollen auch Land, Leute und Kultur kennenlernen und Kontakte mit den Gleichaltrigen pflegen“, ergänzte sie und freut sich auch schon auf die Wochenenden, die mit gemeinsamen Ausflügen und Veranstaltungen geplant sind. Am Ende des Aufenthaltes ist eine große offizielle Einweihung mit dem ganzen Ort geplant.
Finanziell haben die Zwölftklässler der FWS alles überboten, was es bisher in der Schule, in Wennigsen und wohl auch in der Region gegeben hat. 110 000 Euro haben sie als stolze Summe zusammen bekommen. Dabei kamen allein 35 000 Euro von der Software AG und noch einmal 10 000 Euro aus der Stiftung der Firma. 15 000 Euro steuerte die Bingo Lotterie bei und für den „kleinen Rest“ von 50000 Euro rackerten sich die Schüler zwei Jahre lang bei zahlreichen Veranstaltungen ab, bekamen hier und da mal eine Spende und sind seit einigen Wochen am Ziel angekommen.
Gestern hatte das „Fliegende Klassenzimmer“ schon schulfrei zum Packen. Konzentrierter Unterricht war ohnehin kaum noch durchzuführen. Das Reisefieber hatte die gesamte Klasse ebenso ergriffen wie die Aufregung. Am 28. März werden alle gesund und munter wieder zurück erwartet. Dann wird der Rückflug über die Hauptstadt Brasilia gehen und alle werden im Gepäck einmalige Erinnerungen mitbringen. „Der Kontakt mit Porto soll auch nach getaner Arbeit nicht abreißen. Wir werden nach der Rückkehr sehen, wie wir dort weiter helfen können“, so Berichterstatterin Larissa.
Artikel vom 27.02.2009 - 14.30 Uhr
Reisebeginn Brasil09
Hallo,
wir die 12.Klasse der FWS Sorsum fliegen nun am 28.2.09 nach Brasilien und haben uns vorgenommen auch Sie mit Informationen zu versorgen.
Dazu werden wir mehrmals Reiseberichte an die DLZ und an die Schule versenden. Wir bedanken uns bei allen Sponsoren und Helfern die es ermöglicht haben dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen.
HERZLICHEN DANK !!
Die 12. Klasse
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Entwicklungshilfe für Brasilien
Elftklässler wollen ein Jugendhaus in Brasilien bauen
Waldorfschüler müssen bis 2009 insgesamt 75 000 Euro sammeln / Hoffnung auf Spenden für das Entwicklungshilfe-Projekt
Sorsum (mi). Einen dicken Brocken haben sich 25 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse der Oberstufe an der Freien Waldorfschule Sorsum (FWS) vorgenommen. Sie wollen im Frühjahr 2009 in Brasilien in einem Entwicklungshilfeprojekt ein Jugendhaus errichten.
Die 11. Klasse der Waldorfschule freut sich jetzt schon auf ihren Arbeitseinsatz in Brasilien und hat erfahrene Betreuer mit Maria Schmidl (links) und Frank Waldmann (Zweiter von rechts) an ihrer Seite. Foto: Mießen
Als der Englischlehrer der 11. Klasse von einem Entwicklungshilfeprojekt einer Braunschweiger Waldorfschule berichtete, wurden die Jugendlichen hellhörig und waren schon bald darauf begeistert. Gesagt getan: Über das Kolpingwerk in Köln kamen sie an ein Projekt zum Bau eines Jugendhauses in Brasilien heran, das die FWS-ler nun finanzieren und mit eigenen Händen aufbauen wollen.
50 000 Euro benötigen sie dafür an Materialkosten und 25 000 Euro für die Flüge von 27 Personen, denn die Klasse hat sich zwei Lehrer als Betreuer ausgesucht, die sie auf der etwa vierwöchigen Reise in die brasilianische Stadt Porto im nordöstlich gelegenen Bundesstaat Piaui begleiten sollen. Maria Schmidl und Frank Waldmann haben bereits zugesagt.
Die Vorbereitungen für das ehrgeizige Projekt haben inzwischen begonnen. Es wird neben den beiden schulischen Fremdsprachen portugiesisch gelernt. Ein Organisationskomitee hat in Aufgabenteilung ebenfalls die Arbeit aufgenommen.
So gibt es eine Sponsorengruppe mit Sophie Lent, Niklas Schröder und Gwendolyn Black, die sich um Spendengelder kümmern soll. Larissa Holzki und Jurinde Bartels haben die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernommen.
Gerrit Weimar und Bruce Schmidtke verwalten die Finanzen und sind stolz, dass sie bereits 7 200 Euro auf dem Klassenkonto haben. Das größte Problem ist allerdings, diesen Bestand zu vermehren. Doch wer die ehrgeizige 11. Klasse der FWS kennt, ist davon überzeugt, dass es ihr gelingen wird, das Projekt zu verwirklichen.
Ab sofort werden sämtliche Veranstaltungen in der FWS mit Büfetts von der 11. Klasse begleitet. Der Überschuss fließt in das Brasilienprojekt. In den Ferien und bei allen sich bietenden Gelegenheiten nehmen die 17- bis 18-Jährigen jegliche Arbeit an und werfen den Verdienst in den Brasilientopf.
Sammelaktionen werden auch außerhalb der Schule gestartet und die Sponsorensuche geht erst im neuen Jahr richtig los. Wenn im Frühjahr 2009 die Reise über den großen Teich beginnt, sind die Schülerinnen und Schüler bereits in der 12. Klasse. Das heißt, sie müssen in Sorsum Abschied nehmen - entweder ins Arbeitsleben oder um in einem 13. Jahrgang auf einer anderen Waldorfschule in Hannover oder Hildesheim das Abitur zu realisieren. "Wir wollen mit dem Projekt in Brasilien gleichzeitig unsere Abschlussfahrt und das Praktikum machen und kräftig unter Anleitung eines dortigen Bauleiters arbeiten und hoffen, dass wirdas Jugendhaus dort fertigstellen können. Das Haus ist gedacht für Kinder, die dort gar nicht zur Schule gehen können und Jugendliche, die überhaupt keine Anlaufstelle haben", erklärte Larissa Holzki. Inzwischen hat die Klasse auch schon einen Verein mit dem Namen "Brasilien 09 e.V." gegründet und wartet auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit, um auch steuerwirksame Spendenbescheinigungen ausstellen zu können.
Sarah Frank ist derzeit dabei, eine Web-Seite einzurichten. Nun hoffen die Elftklässler, günstige Flüge nach Brasilien zu bekommen, so manche Minijobs zu erhalten und einen regen Spendenfluss dazu. Ab sofort nehmen sie Spenden gern und dankbar entgegen.
Das größte Klassenprojekt, das je an der FWS gestartet wurde, ist bereits in aller Munde und soll Anfang 2009 gestartet werden. Eltern- und Lehrerschaft der Schule stehen voller Überzeugung hinter dem Projekt.
© Deister-Leine-Zeitung, 31.12.2007
Sicherer Schulweg
Verkehrshelfer nehmen Arbeit auf
Eltern gehen für die Sicherheit der Kinder auf die Straße
Sorsum (mi). Nachdem alle Eingaben des Ortsrates Sorsum und der Waldorfschule für einen sicheren Überweg vor der Schule keinen Erfolg gebracht hatten, griffen 14 Eltern zur Selbsthilfe und ließen sich von Polizeihauptkommissar (PHK) Karsten Schröder von der Polizeiinspektion Garbsen zu Verkehrshelfern ausbilden.
Mit Tipps von PHK Karsten Schrödern begibt sich Verkehrshelferin Fatima Omerovic in den Sicherheitseinsatz. Fotos: Mießen
Seit gestern geleiten die Eltern, ausgerüstet mit Anhaltekelle und Sicherheitsweste, die Schulkinder über die Landesstraße und fanden gleich beim ersten Einsatz großes Verständnis bei den Verkehrsteilnehmern. PHK Schröder hat es in kurzer Zeit verstanden, die Verkehrshelfer auf ihre Aufgabe vorzubereiten.
Nach ein paar praktischenÜbungen hatten sich Kinder und Verkehrshelfer schnell aufeinander eingestellt und es ergab sich ein ganz anderes Sicherheitsgefühl - für Kinder und Eltern. Selbst die Eltern, die mit dem Pkw ihre Kinder zur Schule brachten, verhielten sich disziplinierter als sonst und so ist ein erstes Etappenziel der Elterninitiative "Sicherer Schulweg" erreicht: den Überweg an der Waldorfschule sicherer zu gestalten. Nicht gelungen ist es allerdings bisher, die Müllabfuhr davon zu überzeugen, nicht ausgerechnet zum Schulbeginn die Wertstoffcontainer gegenüber der Schuleinfahrt zu leeren.
Ab Montag stehen nun jeden Morgen vor Schulbeginn zwei der neu ausgebildeten Verkehrshelfer an der Schuleinfahrt und geleiten die Kinder sicherüber die Straße. "Wir haben jetzt erst einmal einen Dienstplan bis zu den Osterferien erstellt. Daneben läuft aber auch noch der Antrag, den "weißen Punkt" auf die Bushaltestellenschilder zu bekommen, der beim Halten des Busses den Busfahrer verpflichtet, die Warnblinkanlage einzuschalten und die Autofahrer zur besonders Sorgfaltspflicht anhält", erklärte Antje Schmidt von der Elterninitiative. Die Gruppe will aber auch nicht nachlassen, einen sicheren Überweg vor der Schule zu erhalten, entweder mit einem "Zebrastreifen" oder einer Bedarfsampel. Gespräche mit Verkehrsexperten werden in Kürze aufgenommen. Bis dahin werden die elterlichen Verkehrshelfer weiter im Einsatz sein. "Und von der Polizei weiterhin beratend begleitet", betonte PHK Karsten Schröder.
© Deister-Leine-Zeitung, 07.02.2008



















